Haus im Moos
Umeweltbildungsstätte - Freilichtmuseum - Tagungsstätte

9. September - 4. Dezember 2018

Das HAUS im MOOS erinnert an den größten Sohn des Donaumooses“ am Museumsfest am 9. September und widmet ihm eine Ausstellung , die vom 9. September bis 4. Dezember zu sehen ist.

Wer war Max von Pettenkofer?


Am 3. Dezember 1818 erblickte Max von Pettenkofer in Lichtenheim das Licht der Welt. 

Er gehört zu den ganz großen Wissenschaftlern Bayerns im 19. Jahrhundert. Man nannte ihn „Vater der Hygiene“, oder „Wohltäter der Menschheit“. In unserer Gegend wurde er als „Größter Sohn des Donaumooses“ verehrt.

Wer war Max von Pettenkofer. Und warum ist es wert, an ihn zu erinnern?

Max Pettenkofer wurde als fünftes von acht Kindern der Kolonisteneheleute Baptist und Barbara Pettenkofer in Lichtenheim geboren und in der Kirche Karlskron auf den Namen Maximilian Josef getauft.

Seine Kindheit verbrachte er auf dem elterlichen Bauernhof, dem heutigen „Pettenkoferhaus“ in Lichtenheim,-nahe der Ortschaft Lichtenau.

Der Großvater war dort „Mautner“ also Zollbeamter an der Straße von Reichertshofen nach Neuburg, an der Landesgrenze zwischen Bayern und Pfalz-Neuburg.

Als 1802 die Zollschranken fielen wurde die Zollstation aufgelöst und der Mautner in Pension geschickt. Dieser jedoch kaufte das Anwesen und baute eine Landwirtschaft mit Schafzucht auf. Weil der Hof innerhalb der Grenzen des damals frisch kultivierten Donaumooses lag, wurde er als „Kolonist“ registriert und erhielt alle Vergünstigungen eines Neusiedlers.

Doch bald teilten die Pettenkofers das Los vieler Kolonisten. Sie gerieten in Schulden und verarmten.

Max von Pettenkofer wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Er ging der geliebten Mutter bei der Hausarbeit zur Hand, half beim Kartoffelklauben und hütete das Vieh.

In Lichtenau besuchte er die Schule. Dort wurden die Kinder von der ersten bis zur siebten Klasse in der Wohnstube des Lehrerhauses unterrichtet.

 

Doch aus der Armseligkeit seiner Kindheit erwuchs dem kleinen Max eine glückliche Fügung. Der Vater war infolge einer Krankheit zeitweilig gar nicht arbeitsfähig und von den 8 Kindern waren 4 im Säuglingsalter gestorben.

Als die Armut größer wurde, nahm ein wohlhabender und einflußreicher  Onkel in München 1836 die Kinder zu sich, um ihnen eine Ausbildung, bzw. „Stellung“ zukommen zu lassen. (Manche Chronisten nennen 3 Kinder, die nach München kamen,- andere alle 4)

Franz Xaver Pettenkofer, ein Bruder des Vaters, war in der bayerischen Armee Oberfeldapotheker gewesen und hatte als solcher den Rußlandfeldzug mitgemacht. Seit 1823 war er Hof- und Leibapotheker in der Residenzstadt München.

Max zeigte überdurchschnittliche Begabung und wurde entsprechend gefördert. Er besuchte schließlich das angesehene Wilhelmsgymnasium in München, machte eine Apothekerausbildung und studierte Pharmazie, Medizin und Chemie. All dies mit besten Abschlußnoten.

Er erhielt Stipendien bei den größten Chemikern seiner Zeit. 1843 war er bei Scherer in Würzburg und 1844 bei Liebig in Gießen.

Mit 25 Jahren schloß Max von Pettenkofer das Pharmazie- und das Medizinstudium ab. Mit 29 Jahren wurde er außerordentlicher Professor der Chemie in der medizinischen Fakultät. Er war schon Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften und  abermals 2 Jahre später saß er im Obermedizinalausschuss, der die bayerische Regierung in medizinischen Fragen beriet.

 

Die Chemie war seine große Leidenschaft. Sie setzte ihn in die Lage, jedem Problem durch stoffliche Untersuchung auf den Grund zu gehen. Er beherrschte sie virtuos.

 

Seinen ersten „Job“ hatte er am Münzamt, wo altes Silbergeld eingeschmolzen und neu geprägt wurde. Er fand heraus, dass in dem alten Silbermünzen Spuren von Gold und Platin enthalten waren und entwickelte ein Verfahren diese beim Schmelzen abzuscheiden. Durch diesen Gewinn konnte die ganze Umschmelzaktion finanziert werden.

 

Für die Baumeister König Ludwig I. verbesserte er den bayerischen Zement , so dass man auf die teuren Importe des englischen Portland-Zements verzichten konnte.

1851 entwickelte er ein Verfahren, um aus Holz Leuchtgas zu gewinnen, mit dem dann der Münchener Bahnhof beleuchtet wurde.

 

Die größte Herausforderung für Max von Pettenkofer jedoch war die Cholera.

1854 sollte der König in München die Industrieausstellung eröffnen. Da brach kurz vor dem Festakt in einem Kassenhäuschen ein Wärter zusammen. Ein schnell herbeigerufener diagnostizierte Cholera.

Panik brach aus. Die vielen angereisten Gäste verließen fluchtartig die Stadt. Die Ausstellung musste abgesagt werden. Der finanzielle- und der Imageschaden für die Regierung und die Stadt war immens.

Jedermann war damals der Seuche blind ausgeliefert. Die Krankheit begann plötzlich mit starkem Duchfall und endete für die Hälfte der Betroffenen nach 1-2 Tagen mit dem Tod. Die Ärzte konnten nicht helfen. Die Medizin war damals noch nicht so weit fortgeschritten, um den Erreger und den Verbreitungsweg festzustellen.

Ein Teil der Wissenschaftler glaubte an eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Der andere Teil vermutete eine krankmachende Substanz in der Luft. Für beide Theorien konnte kein Beweis erbracht werden.

Pettenkofer glaubte an krankmachende Substanzen die in fäkalienverseuchter Erde gedeihen.

In München gab es damals noch Viehhaltung in Hinterhöfen, Schlachtplätze auf offener Erde und die Wohnhäuser hatten alle noch das „Plumpsklo“ mit zugehöriger Abfallgrube.

Max von Pettenkofer setzte sich für die Abdichtung der Abfallgruben und schließlich  für den Bau einer Schwemmkanalisation und Fernwasserleitung in München ein.

Der Erfolg gab ihm recht: Die Cholera- und Typhusfälle,- wie überhaupt Infektionskrankheiten-, gingen signifikant zurück.

Pettenkofer war mehr Chemiker als Arzt. Er widmet sich weniger der Heilung von Kranken. Sein großes Ziel ist die Gesundheitsvorsorge, die Verhütung von Krankheiten. Er wollte die Lebensumstände der Menschen verbessern. Das war seine Verständnis von Fortschritt.

Aus seiner Gesundheitslehre, die das gesamte Lebensumfeld einbezieht, entwickelt Max von Pettenkofer seine Hygienelehre. Für ihn gehören reine Luft, sauberes Wasser, sauberer Untergrund, gute Kleidung, gesunde Wohnräume und gute Nahrung zu einem gesunden Leben.

 

Um dem Stoffwechsel auf die Spur zu kommen liess er eine luftdichte Blechkammer bauen in der sich Probanten über 24 Stunden aufhalten und bewegen konnten. Zu- und Abluft konnten genau kontrolliert werden. Auf diesem Weg konnte er den CO2-gehalt in der ausgeatmeten Luft genau bestimmen und so den Energieumsatz bei der Fettverbrennung errechnen. Er fand heraus, dass ein mittelkräftiger Arbeiter von 70 Kilogramm Körpergewicht einen Tagesverbrauch von 3.100 Kilokalorien hat.

Der Versuchsapparat wurde von König Ludwig II finanziert, der selbst darin eine Stunde aufgehalten haben soll.

 

Pettenkofer erreichte, dass1865 in Bayern die ersten Lehrstühle für Hygiene entstanden und die Disziplin Prüfungsfach im Medizinstudium wurde.

1879 erhielt Professor Pettenkofer in München ein eigenes Institut für Hygiene mit umfangreichen Laboratorien zur Ausbildung von Studenten.

Dort wurden für die Stadt München auch regelmäßig Lebensmittel chemisch untersucht.

 

1884 wurde Pettenkofer erster Direktor des neu gegründeten königlichen Prüfinstituts für Nahrungs- und Genussmittel

Er etablierte Seine Hygienelehre in staatlichen Einrichtungen und wurde so zum Wegbereiter für unser modernes Gesundheitssystem.

Kanalisation, Trinkwasserversorgung, Müllabfuhr und Gesundheitsämter garantieren uns bis heute einen hohen Lebensstandard.

Die umfassende vorbeugende Gesundheitslehre Pettenkofers gilt heute noch als Wurzel unserer Umwelthygiene.

1894 zog sich Max von Pettenkofer nach und nach aus seinen Ämtern zurück. Überhäuft von Ehrungen und Auszeichnungen starb er am 10 Februar 1901 in München.

Die Universität  und die Stadt München ehren den großen Wissenschaftler heuer vom 6. Bis 8. Dezember mit Festakt, Feierlichkeiten und Vorträgen.

Veranstaltungskalender

« Oktober - 2018 »
MoDiMiDoFrSaSo
01020304
05
06
07
080910111213
14
15
16
17181920
21
22
23
242526
27
28
293031